Donnerstag, 22. November 2007

Schmerztoleranz

www.GeschlechterStudien.de

- Tatsache oder Meinungstrend? -

Schmerzforschung & Schmerztoleranz


DIE ALTHERGEBRACHTE MEINUNG:

Frauen sind das schwache Geschlecht. Sie sind wehleidiger und halten weniger aus. Für Männer gilt: Ein Indianer kennt keinen Schmerz!


DAS POPULÄRE VORURTEIL:

Männer sind Memmen. Sie sind schmerzempfindlicher als Frauen und halten weniger aus.


DIE WAHRHEIT:

Studien bestätigen die althergebrachte Meinung und beweisen: Männer sind schmerzbelastbarer als Frauen. Sie klagen weniger und sie halten mehr aus.

Der Irrglaube, Männer seien schmerzempfindlicher als Frauen ist lediglich ein Meinungstrend, der aus der Emanzipation der Geschlechter hervorgegangen ist. Interessant: Meinungstreds können sehr stark die eigene Wahrnehmung beeinflussen!

(Das Körnchen Wahrheit im Vorurteil: Auch Männer sind nur Menschen und selbstverständlich nicht absolut schmerzresistent. Im Ausnahmefall gibt es sogar manche Frauen, die schmerztoleranter sind als manche Männer. Das ist zwar nicht die Regel, fällt aber so sehr auf, dass es gerne überbewertet und verallgemeinert wird.)

SCHMERZFORSCHUNG

Ein Teilbereich der Schmerzforschung beschäftigt sich mit der unterschiedlichen Schmerzempfindlichkeit der Geschlechter. Ziel ist es, die Schmerztherapie geschlechterspezifisch anzupassen und so Schmerzpatientinnen und Schmerzpatienten gezielter helfen zu können.

Welche Erkenntnisse bringen die Experimente der Schmerzforschung?

Im November 2005 sollte in der von Günther Jauch moderierten RTL-Sendung „Typisch Frau, typisch Mann“ unter anderem die Frage beantwortet werden, welches Geschlecht denn nun schmerzempfindlicher ist. Natürlich zog man einen Experten hinzu, den Schmerzforscher und Psychologen (Professor für Physiologische Psychologie) Professor Lautenbacher von der Universität Bamberg.

Die Publikumsfrage, die vor Bekanntgabe der Lösung gestellt wurde lautete, welches Geschlecht nach Meinung der Zuschauer schmerzempfindlicher sei. 81% der Zuschauer vertraten die Ansicht Männer seien schmerzempfindlicher als Frauen. Eine überwältigende Mehrheit. Zum Schluss gewann jedoch eine Frau, die entgegen der landläufigen Meinung gestimmt hatte. Für sie war klar: Frauen sind das schmerzempfindlichere Geschlecht. Und sie sollte Recht behalten.

Professor Lautenbacher demonstrierte diese, in zahlreichen Experimenten gewonnene Erkenntnis live an zwei Prominenten: Barbara Schöneberger und Ingolf Lück. Die Vorgehensweise: Mit einem speziellen Gerät wird Druck auf die Nackenpartie der Probanden ausgeübt. Diese sollen bestimmen, ab welchem Punkt der Druck in ein Schmerzgefühl übergeht. Es zeigt sich, dass Frauen durchschnittlich einen Druck von 400 Kilopascal aushalten, bevor es für sie schmerzhaft wird, Männer hingegen erst bei durchschnittlich 600 Kilopascal Schmerzen empfinden. Frauen zeigen sich bei diesem Experiment also um ein Drittel schmerzempfindlicher.

Natürlich stellt sich die Frage, ob bei einem solchen Experiment geschummelt werden kann, sprich, dass die Männer einfach behaupten, erst später einen Schmerz zu spüren. Dazu befragt, klärt Professor Lautenbacher darüber auf, dass die Messung bestimmter Hirnströme in Verbindung mit diesen Schmerztests ebenfalls zeigt, dass Frauen schon einen geringeren Reiz als schmerzhaft empfinden als Männer.

Zudem gibt er an, dass weitere Experimente gezeigt haben, dass Frauen scheinbar schmerzempfindlicher reagieren, je tiefer der Schmerz im Körperinneren lokalisiert wird. So leiden Frauen beispielsweise wesentlich häufiger an Kopfschmerzen, die schließlich auch im Körperinneren stattfinden. (1)

Auch im Tierversuch zeigt sich bei den Männchen eine erhöhte Schmerzresistenz. Man hat festgestellt, dass hier die gleichen Mechanismen wirken wie beim Menschen. Das beweist, dass Männlichkeit grundsätzlich mit erhöhter Schmerzresistenz einhergeht. Es handelt sich also nicht um eine Art anerzogene sondern in der Hauptsache um eine genetisch bedingte Schmerztoleranz. (3)

Solcherlei Experimente werden seit etlichen Jahren an den unterschiedlichsten Universitäten der Erde durchgeführt. Natürlich findet nicht nur der Druckschmerz Beachtung. Seien es Schmerzreize durch Hitze, Kälte, Druck, elektrische Schmerzimpulse, etc., immer wieder kommen die Wissenschaftler zum gleichen Ergebnis: (2)

  1. Frauen klagen beim selben Schmerzreiz schneller darüber Schmerzen zu haben.
  2. Frauen beklagen bei demselben Schmerzreiz eine höhere Schmerzintensität als Männer.
  3. Frauen beklagen denselben Schmerzreiz schneller als nicht mehr ertragbar.
  4. Frauen geben schneller auf bei Tätigkeiten, die mit Schmerzen verbunden sind.

Welche Mechanismen führen zu einer erhöhten Schmerzbelastbarkeit bei Männern?

Damit Männer bei Tätigkeiten, die mit Schmerzen zu tun haben, belastbarer sind, ist die Natur auf Nummer Sicher gegangen und hat verschiedene (sowohl körperliche, als auch psychisch-geistige) Mechanismen eingerichtet, die Männer unempfindlicher machen: (2)
(Natürlich hat auch die Sozialisation einen gewissen Einfluss auf den Menschen, jedoch stehen grundlegende genetische Voraussetzungen im Vordergrund. An ihnen erkennt man die tatsächlichen und auch sinnvollen Unterschiede zwischen den Geschlechtern.)

1. Die Verteilung der Schmerzrezeptoren führt beim Mann zu einer erhöhten Schmerztoleranz.

2. Das Hormon Testosteron führt beim Mann zu einer erhöhten Schmerztoleranz.

3. Bestimmte Eiweißstoffe führen beim Mann zu einer erhöhten Schmerztoleranz.

4. Männer verarbeiten Schmerzen im kognitiven Bereich des Gehirns – sie gehen mit Schmerz pragmatischer um. Damit ist gewährleistet, dass Männer auch körperlich gleich stark empfundene Schmerzen auf geistig-psychischer Ebene besser aushalten können.

5. Frauen verarbeiten Schmerzen im emotionalen Bereich des Gehirns – Schmerz verursacht so schneller Angst und Stress. Diese Emotionen führen insbesondere bei Frauen(!) zu einem gesteigerten Schmerzempfinden.

Dass Frauen schmerzempfindlicher sind ist sinnvoll, damit Frauen ihren weniger robusten Körper durch ein verstärktes Vermeidungsverhalten besser vor schädigenden Einflüssen schützen. Dieses Prinzip ist in der Natur weit verbreitet. So ist zum Beispiel auch das verletzliche Auge schmerzempfindlicher als der robustere Oberarm, damit es durch ein Vermeidungsverhalten besser geschützt ist.

Männer hingegen haben einen Überlebens- und Fortpflanzungsvorteil, wenn sie sich gegenüber Konkurrenten durchsetzen. Dafür ist neben anderen Qualitäten ein robuster Körper notwendig, der aber letztendlich kaum nützlich wäre, würde der Mann aufgrund von Schmerzempfindlichkeit zu schnell einknicken. Mehr dazu im Kapitel "Evolution".

Sind diese Werte allgemeingültig?


Selbstverständlich sind die Ergebnisse aus der Schmerzforschung Durchschnittswerte, die sich auf den Großteil der Bevölkerung beziehen. Im Ausnahmefall gibt es natürlich auch besonders schmerzresistente Frauen und besonders schmerzempfindliche Männer. Es handelt sich dabei jedoch um Minderheiten, deren Gene sich aufgrund mangelnder Zweckmäßigkeit nicht in der breiten Masse durchsetzen (siehe Kap. Evolution).

Könnten Männer den Schmerz einer Geburt überstehen?

Gerne wird an dieser Stelle argumentiert, Männer könnten niemals den Schmerz einer Geburt überstehen. Die allgemeine Begründung lautet: Männer seien schmerzempfindlicher als Frauen, also könnten sie Schmerzen allgemein und somit auch den Geburtsschmerz schwerer ertragen.

Diese Argumentation ist logisch. Wer schmerzempfindlicher ist, kann selbstverständlich auch den Geburtsschmerz schwerer ertragen. Nun hat die Schmerzforschung aber bewiesen, dass es die Frauen sind, die Schmerzen schlechter ertragen können. Die logische Schlussfolgerung: Männer könnten den Schmerz einer Geburt besser ertragen als Frauen!

Wie schmerzhaft ist eigentlich eine Geburt? Die Aussage, dass eine Geburt unerträglich schmerzhaft ist, stammt logischerweise ausschließlich von dem schmerzempfindlicheren Geschlecht, nämlich den Frauen und ist somit allenfalls für Frauen gültig.

Interessant: Selbst die schmerzempfindlichsten und labilsten unter den Frauen können Kinder kriegen. Das zeigt, dass Gebären eben nicht so schmerzhaft und belastend ist, dass man besonders schmerzresistent und belastbar sein muss, um eine Geburt zu überstehen.

Da Frauen nachweislich jedem Schmerz eine höhere Intensität zuordnen als Männer, und unter Schmerzen schneller dekompensieren als Männer, hätte Gebären sicher nicht so einen schmerzbehafteten Ruf, wenn es die Männer wären, die die Kinder kriegen würden.

Tatsächlich gibt es weitaus stärkere Schmerzen als den Geburtsschmerz, die ebenfalls besser von Männern ertragen werden (siehe Kapitel „Geburt“).

Die Behauptung, dass Männer keine Geburt überstehen könnten ist eine Erfindung des Feminismus, die heute noch in vielen Köpfen herumgeistert. Es wurde damals sogar das Märchen in die Welt gesetzt, man habe mit bestimmten Messmethoden die Schmerzintensität einer Geburt gemessen und festgestellt, dass die Schmerzen so stark seien, dass Männer darunter dekompensieren würden. Natürlich ist das Unsinn! Solche Studien sind frei erfunden. Die Wissenschaft ist erst seit jüngster Zeit in der Lage, die Stärke von Schmerzen objektiv zu messen, und die vielfältigen Schmerzexperimente, die Wissenschaftler heutzutage mit modernen Methoden durchführen belegen eindeutig, dass Männer wesentlich schmerzbelastbarer sind als Frauen.

Warum wird Wehklagen bei Männern weniger toleriert als bei Frauen?

Studiert man die zahlreichen Schmerzstudien, die weltweit an den verschiedensten Institutionen durchgeführt wurden, stellt man einerseits fest, dass eindeutig bewiesen ist, dass Frauen auf Schmerzen empfindlicher reagieren als Männer. Anderseits fällt auf, dass die Ergebnisse in den Medien in den allermeisten Fällen mit äußerster Vorsicht präsentiert werden. Man merkt sofort, dass auf jeden Fall der Verdacht der Frauenfeindlichkeit vermieden werden soll. Im Gegensatz dazu werden Männer ganz offen beim geringsten Anlass als Weicheier belächelt.

Das geht sogar so weit, dass ein zwar geringer aber dennoch vorhandener Teil der so genannten Fachleute zwar eingesteht, dass Männer nicht so schmerzempfindlich sind wie Frauen und stärkere Schmerzen auch über einen längeren Zeitraum aushalten können als Frauen, auf der anderen Seite versuchen sie jedoch diese Aussage zu relativieren, indem sie hinzufügen, Männer seien dafür aber wehleidiger.

Nun sind Wissenschaftler auch nur Menschen, und die Geschichte zeigt uns, dass die Wissenschaft oft genug versucht, die Dinge so zurecht zu biegen, wie es ihrem eigenen oder dem allgemeinen (hier: feministischen) Weltbild entspricht, auch wenn die Fakten eine andere Sprache sprechen. Das ist einer der Gründe, warum Wissenschaftler so oft um ein und dasselbe Thema bis aufs Blut zerstritten sind.

Nun gibt es für einen Wissenschaftler oder Fachmann natürlich nachvollziehbare Gründe, zu behaupten, Männer seien zwar schmerzbelastbarer, dafür aber wehleidiger.

Gerade wenn ein Fachmann einen Ruf zu verlieren hat, fällt es ihm schwer, seine bisherige Meinung zu korrigieren. Wenn er also bisher dem feministischen Meinungstrend aufgesessen ist, Männer seien schmerzempfindlicher als Frauen, könnte er unglaubwürdig werden, wenn er plötzlich aufgrund objektiver Forschungsergebnisse seine Überzeugung ändert. In der Psychologie nennt man einen solchen Wahrnehmungsfehler auch "Beharrungsfehler".

Ausserdem bewahrt diese Art der Argumentation vor dem Ruf der Frauenfeindlichkeit und passt besser in unser emanzipiertes Weltbild, doch wenn man sich die Schmerzstudien genau anschaut, wird deutlich, dass Männer eben doch nicht wehleidiger sind als Frauen.

Neben Messungen schmerzrelevanter Hirnströme und Hormonausschüttungen werden die Ergebnisse der Schmerzforschung nämlich hauptsächlich an der Wehleidigkeit der Versuchspersonen gemessen. Die Wissenschaftler gehen davon aus: Wer mehr klagt, der ist auch schmerzempfindlicher. Und das sind sowohl im Experiment als auch im Alltag nun mal die Frauen.

Was im Experiment recht deutlich zu erfassen ist, lässt sich im Alltag nicht immer so eindeutig erkennen. Unsere subjektive Wahrnehmung funktioniert nämlich ausgesprochen unzuverlässig. Allein die Tatsache, dass wir Schwäche beim Mann weniger tolerieren als bei der Frau, führt dazu, dass wir Männer schon aus wesentlich geringerem Anlass als Weicheier wahrnehmen.

Ein Beispiel:

Der James Bond Darsteller Daniel Craig, der die Rolle des Geheimagenten 007 in der 21. James Bond Verfilmung „Casino Royale“ spielte, wurde von der Presse zunächst als Weichei verspottet. Die Presse begründete ihre „Weichei-Diagnose“ unter anderem damit, dass der Schauspieler sich bei der Überfahrt auf einem Schnellboot an einem dafür vorgesehenen Griff festgehalten und eine Schwimmweste getragen hatte. Das dazugehörige Foto ging als Softie-Beweis um den Globus.

Anmerkung: Das Tragen einer Schwimmweste ist auf solchen Booten Pflicht, und wer einmal auf einem solchen Boot mitgefahren ist, weiß, wie schnell ein unachtsamer Beifahrer über Bord geschleudert werden kann.

Stellen wir uns eine Action-Schauspielerin vor. Würde eine Frau ebenfalls als Weichei verspottet werden, weil sie sich im Schnellboot vorschriftsmäßig an einem Griff festhält und eine Schwimmweste trägt? Wohl kaum. Bei einer Frau schlägt unsere Wahrnehmung ins genaue Gegenteil. Solche Frauen werden erfahrungsgemäß als "mutige Powerfrau" gelobt.

Genau dieses Phänomen erleben wir auch in Bezug auf die geschlechterspezifische Wehleidigkeit, sowohl in der alltäglichen Wahrnehmung, als auch in der Berichterstattung der Medien.

Machen Sie einmal selbst den Test: Wann bezeichnen Sie einen Mann als wehleidig, wann eine Frau. Wenn sich demnächst eine Frau vor Schmerzen krümmt, weil sie sich das Schienbein an der Tischkante gestoßen hat, überlegen Sie, ob die Frau Ihnen als Weichei erscheint. Stellen Sie sich dann vor, anstelle der Frau verhielte sich ein Mann ebenso wehleidig.

Oder Sie sehen eine Frau, die weinend aus dem Büro ihres Chefs gelaufen kommt. Stellen sie sich vor, statt dessen wäre es ein Zwei-Meter-Kerl. Welches Ereignis würde sich eher unter der Überschrift "Weichei" in Ihr Gedächtnis brennen?

In der Regel werden Sie feststellen, dass Sie bei Frauen in Ihrem Urteil nachsichtiger sind, so dass Männer Ihnen bereits als besonders wehleidig erscheinen, während Sie das gleiche Verhalten bei Frauen noch als normal und nicht sonderlich wehleidig empfinden.

Kein Wunder, dass Männer auch bei gleichem Verhalten eher als wehleidig im Gedächtnis haften bleiben als Frauen.

Die Ursache dafür, dass wir Frauen mehr Tränen zugestehen bevor wir sie (wenn überhaupt) als wehleidige Weicheier abstempeln liegt darin, dass ein solches Verhalten bei Frauen nicht besonders auffällt, weil es eben typisch weiblich ist.

Für Männer gilt es einerseits als unmännlich, wenn sie Schmerzen äußern, weil Wehleidigkeit eben von Natur aus unmännlich ist (!), auf der anderen Seite werden Männer gleichzeitig von vielen als das wehleidige Geschlecht bezeichnet, da ein klagender Mann wesentlich stärker auffällt. Ein solcher Zwiespalt in Wahrnehmung und Meinung ist auch auf etlichen anderen Gebieten keine Seltenheit und wird in der Psychologie als „Ambivalenz“ bezeichnet.

Letztendlich sind die Ergebnisse der Schmerzforschung eindeutig: Bei objektiver Betrachtung und im direkten Vergleich sind Männer schmerzresistenter, was sich vor allem dadurch zeigt, dass sie sich weniger wehleidig verhalten.

Wichtig:

Ziel dieses Kapitels ist es, wertfrei über Vorurteile und Tatsachen aufzuklären. Auf keinen Fall sollen Frauen oder Männer in irgendeiner Form als bessere oder schlechtere Menschen bewertet werden. Das Bewerten sowie die Verbreitung frei erfundener Studien und anderer Unwahrheiten ist Aufgabe ganz bestimmter Chauvinisten und ganz bestimmter Feministen.

Auch will dieses Kapitel nicht unnötig am Feminismus herumkritisieren. Die Gleichberechtigung der Frau ist eine gute Sache, sollte aber auf dem Boden der Tatsachen bleiben.

Sollten Sie sich in den aufgeführten Studien nicht wieder finden, sind Sie möglicherweise die berühmte Ausnahme, nämlich eine ungewöhnlich schmerzresistente Frau oder ein ungewöhnlich schmerzempfindlicher Mann.

QUELLENHINWEISE:

(1) Interview Professor Lautenbacher:

http://my.feki.de/neuigkeiten/bamberg/051128_typischfraumann.htm

(2) Bezug auf weitere Schmerzstudien:

Differenzierte Schmerzstudien die (wie alle anderen auch) zu o.g. Ergebnissen geführt haben finden Sie unter:

National Institutes of Health, Gender and Pain, April 1998

- Dr. Roger B. Fillingim, Ph.D., Department of Psychology, School of Social & Behavioral Science, University of Alabama, Birmingham, Alabama

- William Maixner, D.D.S., Ph.D., Department of Endodontics, School of Dentistry, University of North Carolina, Chapel Hill, North Carolina

Links zum Thema:

http://newsletter.doccheck.com/generator/107/317/xhtml

http://www.laserneedle.at/ger/presse/downloads/stimmen/Schmerz%20-%20Ganzheitliche%20Schmerztherapie.htm

http://news.bbc.co.uk/1/hi/health/4641567.stm

http://www.sciencedaily.com/releases/2005/07/050705004113.htm

http://www.sfa-ispa.ch/index.php?IDtheme=64&IDarticle=183&langue=D

(3) Schmerztests im Tierversuch:

http://www.tachherrdoktor.de/page.cgi?ID=19539

http://science.orf.at/science/news/115638

http://www.ziis.de/newsletter_03_02.htm#Schmerzen

Samstag, 25. August 2007

www.GeschlechterStudien.de

Schmerztoleranz & Wehleidigkeit


DAS POPULÄRE VORURTEIL:

Männer sind Memmen. Sie sind schmerzempfindlicher als Frauen und halten weniger aus.

DIE WAHRHEIT:

Studien beweisen: Männer sind schmerztoleranter als Frauen.

Sie klagen weniger und sie halten mehr aus.

(Das Körnchen Wahrheit im Vorurteil: Auch Männer sind nur Menschen und daher nicht absolut schmerzresistent. Im Ausnahmefall gibt es sogar manche Frauen, die schmerztoleranter sind als manche Männer. Das ist zwar nicht die Regel, fällt aber so sehr auf, dass es gerne überbewertet wird.)

SCHMERZFORSCHUNG

Ein Teilbereich der Schmerzforschung beschäftigt sich mit der unterschiedlichen Schmerzempfindlichkeit der Geschlechter. Ziel ist es, die Schmerztherapie geschlechterspezifisch anzupassen und so Schmerzpatientinnen und Schmerzpatienten gezielter helfen zu können.

Welche Erkenntnisse bringen die Experimente der Schmerzforschung?

Im November 2005 sollte in der von Günther Jauch moderierten RTL-Sendung „Typisch Frau, typisch Mann“ unter anderem die Frage beantwortet werden, welches Geschlecht denn nun schmerzempfindlicher ist. Natürlich zog man einen Experten hinzu, den Schmerzforscher und Psychologen (Professor für Physiologische Psychologie) Professor Lautenbacher von der Universität Bamberg.

Die Publikumsfrage, die vor Bekanntgabe der Lösung gestellt wurde lautete, welches Geschlecht nach Meinung der Zuschauer schmerzempfindlicher sei. 81% der Zuschauer vertraten die Ansicht Männer seien schmerzempfindlicher als Frauen. Eine überwältigende Mehrheit. Zum Schluss gewann jedoch eine Frau, die entgegen der landläufigen Meinung gestimmt hatte. Für sie war klar: Frauen sind das schmerzempfindlichere Geschlecht. Und sie sollte Recht behalten.

Professor Lautenbacher demonstrierte diese, in zahlreichen Experimenten gewonnene Erkenntnis live an zwei Prominenten: Barbara Schöneberger und Ingolf Lück. Die Vorgehensweise: Mit einem speziellen Gerät wird Druck auf die Nackenpartie der Probanden ausgeübt. Diese sollen bestimmen, ab welchem Punkt der Druck in ein Schmerzgefühl übergeht. Es zeigt sich, dass Frauen durchschnittlich einen Druck von 400 Kilopascal aushalten, bevor es für sie schmerzhaft wird, Männer hingegen erst bei durchschnittlich 600 Kilopascal Schmerzen empfinden. Frauen zeigen sich bei diesem Experiment also um ein Drittel schmerzempfindlicher.

Natürlich stellt sich die Frage, ob bei einem solchen Experiment geschummelt werden kann, sprich, dass die Männer einfach behaupten, erst später einen Schmerz zu spüren. Dazu befragt, klärt Professor Lautenbacher darüber auf, dass die Messung bestimmter Hirnströme in Verbindung mit diesen Schmerztests ebenfalls zeigt, dass Frauen schon einen geringeren Reiz als schmerzhaft empfinden als Männer.

Zudem gibt er an, dass weitere Experimente gezeigt haben, dass Frauen scheinbar schmerzempfindlicher reagieren, je tiefer der Schmerz im Körperinneren lokalisiert wird. So leiden Frauen beispielsweise wesentlich häufiger an Kopfschmerzen, die schließlich auch im Körperinneren stattfinden. (1)

Auch im Tierversuch zeigt sich bei den Männchen eine erhöhte Schmerzresistenz, was beweist, dass Männlichkeit grundsätzlich mit erhöhter Schmerzresistenz einhergeht. Es handelt sich also nicht um eine Art anerzogene sondern in der Hauptsache um eine genetisch bedingte Schmerztoleranz. (3)

Solcherlei Experimente werden seit etlichen Jahren an den unterschiedlichsten Universitäten der Erde durchgeführt. Natürlich findet nicht nur der Druckschmerz Beachtung. Seien es Schmerzreize durch Hitze, Kälte, Druck, elektrische Schmerzimpulse, etc., immer wieder kommen die Wissenschaftler zum gleichen Ergebnis: (2)

  1. Frauen klagen beim selben Schmerzreiz schneller darüber Schmerzen zu haben.
  2. Frauen ordnen demselben Schmerzreiz eine höhere Intensität zu als Männer.
  3. Frauen beklagen denselben Schmerzreiz schneller als nicht mehr ertragbar.
  4. Frauen geben schneller auf bei Tätigkeiten, die mit Schmerzen verbunden sind.

Welche Mechanismen führen zu einer erhöhten Schmerzbelastbarkeit bei Männern?

Damit Männer bei Tätigkeiten, die mit Schmerzen zu tun haben, belastbarer sind, ist die Natur auf Nummer Sicher gegangen und hat verschiedene (sowohl körperliche, als auch psychisch-geistige) Mechanismen eingerichtet, die Männer unempfindlicher machen: (2)
(Natürlich hat auch die Sozialisation einen gewissen Einfluss auf den Menschen, jedoch stehen grundlegende genetische Voraussetzungen im Vordergrund. An ihnen erkennt man die tatsächlichen und auch sinnvollen Unterschiede zwischen den Geschlechtern.)

1. Männer besitzen weniger Schmerzrezeptoren.

2. Das Hormon Testosteron dämmt das Schmerzempfinden.

3. Bestimmte Eiweißstoffe führen beim Mann zu einer erhöhten Schmerztoleranz.

4. Männer verarbeiten Schmerzen im kognitiven Bereich des Gehirns – sie gehen mit Schmerz pragmatischer um. Damit ist gewährleistet, dass Männer auch körperlich gleich stark empfundene Schmerzen auf geistig-psychischer Ebene besser aushalten können.

5. Frauen verarbeiten Schmerzen im emotionalen Bereich des Gehirns – Schmerz verursacht so schneller Angst und Stress. Diese Emotionen führen insbesondere bei Frauen zu einem gesteigerten Schmerzempfinden.

Dass Frauen schmerzempfindlicher sind ist sinnvoll, damit Frauen ihren weniger robusten Körper durch ein verstärktes Vermeidungsverhalten besser vor schädigenden Einflüssen schützen. Männer hingegen haben einen Überlebens- und Fortpflanzungsvorteil, wenn sie sich gegenüber Konkurrenten durchsetzen. Dafür ist neben anderen Qualitäten ein robuster Körper notwendig, der aber letztendlich kaum nützlich wäre, würde der Mann aufgrund von Schmerzempfindlichkeit zu schnell einknicken. Mehr dazu im Kapitel "Evolution".

Sind diese Werte allgemeingültig?


Selbstverständlich sind die Ergebnisse aus der Schmerzforschung Durchschnittswerte, die sich auf den Großteil der Bevölkerung beziehen. Im Ausnahmefall gibt es natürlich auch besonders schmerzresistente Frauen und besonders schmerzempfindliche Männer. Es handelt sich dabei jedoch um Minderheiten, deren Gene sich aufgrund mangelnder Zweckmäßigkeit nicht in der breiten Masse durchsetzen (siehe Kap. Evolution).

Warum wird Wehklagen bei Männern weniger toleriert als bei Frauen?

Studiert man die zahlreichen Schmerzstudien, die weltweit an den verschiedensten Institutionen durchgeführt wurden, stellt man einerseits fest, dass eindeutig bewiesen ist, dass Frauen auf Schmerzen empfindlicher reagieren als Männer. Anderseits fällt auf, dass die Ergebnisse von den jeweiligen Versuchsleitern und in den Medien in den allermeisten Fällen mit äußerster Vorsicht präsentiert werden. Man merkt sofort, dass auf jeden Fall der Verdacht der Frauenfeindlichkeit vermieden werden soll. Im Gegensatz dazu werden Männer ganz offen beim geringsten Anlass als Weicheier belächelt.

Das geht sogar so weit, dass ein Teil der so genannten Fachleute zwar eingesteht, dass Männer nicht so schmerzempfindlich sind wie Frauen und stärkere Schmerzen auch über einen längeren Zeitraum aushalten können, auf der anderen Seite versuchen sie jedoch diese Aussage zu relativieren, indem sie hinzufügen, Männer seien dafür aber wehleidiger. Selbstverständlich bewahrt diese Art der Argumentation den Fachmann vor dem Ruf der Frauenfeindlichkeit und passt besser in unser emanzipiertes Weltbild, doch wenn man sich die Schmerzstudien genau anschaut, wird deutlich, dass Männer eben doch nicht wehleidiger sind als Frauen.

Neben Messungen schmerzrelevanter Hirnströme und Hormonausschüttungen werden die Ergebnisse der Schmerzforschung nämlich hauptsächlich an der Wehleidigkeit der Versuchspersonen gemessen. Die Wissenschaftler gehen davon aus: Wer mehr klagt, der ist auch schmerzempfindlicher. Und das sind sowohl im Experiment als auch im Alltag nun mal die Frauen.

Was im Experiment recht deutlich zu erfassen ist, lässt sich im Alltag nicht immer so eindeutig erkennen. Unsere subjektive Wahrnehmung funktioniert nämlich ausgesprochen unzuverlässig. Allein die Tatsache, dass wir Schwäche beim Mann weniger tolerieren als bei der Frau, führt dazu, dass wir Männer schon aus wesentlich geringerem Anlass als Weicheier wahrnehmen.

Ein Beispiel:

Der James Bond Darsteller Daniel Craig, der die Rolle des Geheimagenten 007 in der 21. James Bond Verfilmung „Casino Royale“ spielte, wurde von der Presse zunächst als Weichei verspottet. Die Presse begründete ihre „Weichei-Diagnose“ unter anderem damit, dass der Schauspieler sich bei der Überfahrt auf einem Schnellboot an einem dafür vorgesehenen Griff festgehalten und eine Schwimmweste getragen hatte. Das dazugehörige Foto ging als Softie-Beweis um den Globus.

Anmerkung: Das Tragen einer Schwimmweste ist auf solchen Booten Pflicht, und wer einmal auf einem solchen Boot mitgefahren ist, weiß, wie schnell ein unachtsamer Beifahrer über Bord geschleudert werden kann.

Stellen wir uns eine Action-Schauspielerin vor. Wäre eine Frau ebenfalls als Weichei verspottet worden, weil sie sich im Schnellboot vorschriftsmäßig an einem Griff festhält und eine Schwimmweste trägt? Wohl kaum. Bei einer Frau wäre unsere Wahrnehmung ins genaue Gegenteil geschlagen. Sie wäre von der Presse als "mutige Powerfrau" gelobt worden.

Genau dieses Phänomen erleben wir auch in Bezug auf die geschlechterspezifische Wehleidigkeit, sowohl in der alltäglichen Wahrnehmung, als auch in der Berichterstattung der Medien.

Machen Sie einmal selbst den Test: Ab wann bezeichnen Sie einen Mann als wehleidig, wann eine Frau. Wenn sich demnächst eine Frau vor Schmerzen krümmt, weil sie sich das Schienbein an der Tischkante gestoßen hat, überlegen Sie, ob die Frau Ihnen als Weichei erscheint. Stellen Sie sich dann vor, anstelle der Frau verhielte sich ein Mann ebenso wehleidig.

Die Ursache dafür, dass wir Frauen mehr Tränen zugestehen bevor wir sie (wenn überhaupt) als wehleidige Weicheier abstempeln liegt darin, dass ein solches Verhalten bei Frauen nicht besonders auffällt, weil es eben typisch weiblich ist. Für Männer gilt es einerseits als unmännlich, wenn sie Schmerzen äußern, auf der anderen Seite werden sie gleichzeitig von vielen als das wehleidige Geschlecht bezeichnet. Ein solcher Zwiespalt in Wahrnehmung und Meinung ist auch auf etlichen anderen Gebieten keine Seltenheit und wird in der Psychologie als „Ambivalenz“ bezeichnet.

Letztendlich sind die Ergebnisse der Schmerzforschung eindeutig: Bei objektiver Betrachtung und bei direktem Vergleich sind Männer schmerzresistenter, was sich vor allem dadurch zeigt, dass sie sich weniger wehleidig verhalten.

Wichtig:

Ziel dieses Kapitels ist es, wertfrei über Vorurteile und Tatsachen aufzuklären. Auf keinen Fall sollen Frauen oder Männer in irgendeiner Form als bessere oder schlechtere Menschen bewertet werden. Das Bewerten sowie die Verbreitung frei erfundener Studien und anderer Unwahrheiten ist Aufgabe bestimmter Chauvinisten und bestimmter Feministen.

QUELLENHINWEISE:

(1) Interview Professor Lautenbacher:

http://my.feki.de/neuigkeiten/bamberg/051128_typischfraumann.htm

(2) Bezug auf weitere Schmerzstudien:

Differenzierte Schmerzstudien die (wie alle anderen auch) zu o.g. Ergebnissen geführt haben finden Sie unter:

National Institutes of Health, Gender and Pain, April 1998

- Dr. Roger B. Fillingim, Ph.D., Department of Psychology, School of Social & Behavioral Science, University of Alabama, Birmingham, Alabama

- William Maixner, D.D.S., Ph.D., Department of Endodontics, School of Dentistry, University of North Carolina, Chapel Hill, North Carolina

Links zum Thema:

http://newsletter.doccheck.com/generator/107/317/xhtml

http://www.laserneedle.at/ger/presse/downloads/stimmen/Schmerz%20-%20Ganzheitliche%20Schmerztherapie.htm

http://news.bbc.co.uk/1/hi/health/4641567.stm

http://www.sciencedaily.com/releases/2005/07/050705004113.htm

http://www.sfa-ispa.ch/index.php?IDtheme=64&IDarticle=183&langue=D

(3) Schmerztests im Tierversuch:

http://www.tachherrdoktor.de/page.cgi?ID=19539

http://science.orf.at/science/news/115638

http://www.ziis.de/newsletter_03_02.htm#Schmerzen